Ein Wimpernschlag zu früh


Daniel Käser (rechts), im Solothurner Fussballverband als Instruktor und früher selber als Schiedsrichter in der Challenge League tätig, wusste ganz genau, welche Fragen er Alain Bieri zu stellen hatte.

Da haben die Organisatoren ein gutes Näschen bewiesen! Als Alain Bieri rund einen Monat zuvor seine Zusage für einen kurzen Gastauftritt am Helferanlass des Mizuno-Städtlilaufs gegeben hatte, wusste noch niemand um die Brisanz des Auftritts des Fifa-Schiedsrichters.

Zwei Tage zuvor pfiff der Berner nämlich den Spitzenkampf der Super League zwischen St. Gallen und den Young Boys – einen denkwürdigen Spitzenkampf, welcher in der 99. Minute mit einem Paukenschlag endete. Zu reden gab nicht primär der Penaltyentscheid, auf welchen Bieri nach einem Handspiel eines St.-Gallers zugunsten der Gäste entschied, sondern dessen Wiederholung. Der Grund: Lawrence Ati Zigi im Tor der Ostschweizer hatte sich 0,4 Sekunden zu früh bewegt und damit gegen die Regeln verstossen.

Entdeckt hatte den Regelverstoss aber nicht Bieri selber, sondern der sogenannte VAR. Also ein Video-Schiedsrichter, welcher entscheidende Situationen am Bildschirm in Volketswil analysiert und den Schiedsrichter vor Ort informiert, wenn er – dank der vielen zur Verfügung stehenden Kameras – auf einen anderen Entscheid als der Referee gekommen ist. So bemerkte der VAR also den zeitlich minimalen Fauxpas Zigis, was eine Wiederholung des verschossenen Penaltys provozierte. Guillaume Hoarau nahm ein zweites Mal Anlauf, und diesmal traf der Berner zum finalen 3:3.

Bieri sprach im Soho in Wangen von einer – verständlicherweise – höchst unglücklichen Konstellation, bei diesem Spielstand einen solchen Entscheid fällen zu müssen: «Da gehen die Emotionen natürlich hoch». Auch noch weit nach Spielende, mit unzähligen eingehenden Telefonanrufen und weit über 100 Whatsapps. «Mit den Reaktionen muss man umgehen können», er selber könne das alles ganz gut einordnen.

Umso besser hat ihm der Applaus getan, welcher ihm im Soho entgegenbrandete. «Ich bin es nicht gewohnt, wenn die Leute klatschen», schmunzelte Bieri, «viel eher pfeifen sie!» Zuspruch und gar Hopp-Rufe wären dem 41-Jährigen zweifellos auch bei einer Teilnahme am Mizuno-Städtlilauf vom 12. Juni sicher. «Die 10 Kilometer würde ich wohl schaffen», liess der Unparteiische einen Start zu diesem Zeitpunkt offen.

Durchschnittlich legt er in einem Fussballspiel rund 12 Kilometer zurück, in 90 Minuten zwar, aber viel unregelmässiger als an einem Lauf. Die Geschwindigkeit der Sportart habe sich gegenüber früher stark verändert, was auch Auswirkungen auf das Training habe. «Früher waren wir mehr Dauerläufer und absolvierten Waldläufe. Heute», so der Personalleiter der Migros Aare, «passt der Beschrieb Intervall-Läufer schon eher.» Entsprechend sind die gemeinsamen Trainings mit Kollegen der individuellen Vorbereitung in Form von Intervall-, Kraft- und Sprinttrainings gewichen. Abgerundet wurde der kurzweilige Helferanlass mit rück- und vorausblickenden Worten des Präsidenten Fritz Scheidegger. Der Lauf ist gut aufgestellt, so könne man der 6. Austragung positiv entgegenblicken. Nach einer stetigen Zunahme der Teilnehmer möchte man auch in diesem Jahr wieder über 800 Läuferinnen und Läufer in Wangen begrüssen dürfen – und natürlich hofft man auf das bereits traditionelle schöne Wetter am zweiten Juni-Freitag.